Zum Inhalt springen

Die kleine Glocke die nicht läuten wollte

Auf dem Marktplatz der Stadt steht eine große Kirche. In ihrem Turm wohnen vier Glocken. Die sind ururalt. Nur eine, die kleinste, ist neu. Der Winter kommt. Die Glocken üben für Weihnachten.

„Hört her!“, ruft die größte Glocke. Sie hat einen dicken goldenen Bauch. „Domm-domm-badomm-domm!“ „Das ist doch gar nichts“, entgegnet die Silberglocke: „Bim-bambam, bim-bambam, bim-bambam!“ „Dingedonng, dingedonng!“, singt die Bronzeglocke. Jetzt fehlt nur noch die kleinste Glocke. „Komm schon“, ermuntern sie die großen Glocken. „Schwingen, schwingen, schwingen uuuuuund …“ Die großen Glocken lauschen.

„Ich höre gar nichts“, wundert sich die Goldglocke. „Sie läutet ja auch nicht“, erklärt die Silberglocke. „Ach herrje!“, seufzt die Bronzeglocke. „Ach herrje, ach herrje!“, stimmten die anderen Glocken ein.

Die Taube Felidia flattert auf das Turmgeländer. Sie liebt Glockenklänge, besonders in der Weihnachtszeit. Aber warum ist kleine Glocke still? „Ach, wer weiß“, seufzen die großen Glocken. Dann ruhen sie sich aus. Felidia betrachtet die kleine Glocke besorgt und wartet. Es wird Abend. Felidia wartet immer noch. Der Mond geht auf. Die Fledermäuse kommen aus dem Turm. Ein Käuzchen fliegt vorbei. Aber die kleine Glocke läutet noch immer nicht. Felidia fallen die Augen zu.

Am nächsten Morgen fliegt Felidia zum Fluss. Dort wohnt in einer Pappel Carol, die kluge Krähe. Felidia landet auf einem Ast. „Die kleine Glocke läutet nicht“, erzählt sie. „Krah“, macht Carol, „da helfen gute Worte.“ „Gute Worte? Welche denn?“ „Das weiß ich nicht“, krächzt Carol, „aber gute Worte helfen immer.“

Felidia fliegt zurück in die Stadt. Auf dem Markplatz steht ein großer Weihnachtsbaum. Felidia setzt sich auf einen Zweig und sieht zu, wie die Morgensonne die Türme vergoldet. Das ist ein gutes Wort! Felidia breitet die Flügel aus und segelt zum Glockenturm. „Morgensonne!“, ruft sie. Die kleine Glocke hört genau zu. Aber sie läutet nicht.

Am Mittag treffen sich Felidia und ihr Freund Ringelbert auf dem Marktplatz vor der Bäckerei. Ein gutes Wort … Ringelbert trippelt auf und ab. Dann hat er eine Idee. „Lebkuchenkrümel!“, ruft er zur kleinen Glocke hinauf. Von allen Seiten flattern Tauben herbei. Aber die kleine Glocke läutet noch immer nicht. „Wir brauchen gute Worte für die kleine Glocke“, erklärt Felidia. Die Tauben nicken und schwärmen aus.

Sie suchen in der Stadt und am Fluss. Sie segeln übers Feld und über den Wald bis in die Berge. Überall finden sie gute Worte und bringen sie der kleinen Glocke: Zimtschnecke, Silberstern, Weihnachtswald, Glitzerschnee … Die kleine Glocke hört genau zu, aber sie läutet nicht.

Die Tauben fliegen aufs Meer hinaus und reisen in ferne Länder. Sie kommen mit vielen guten Worten zurück: Merry Christmas, Feliz Navidad, Joyeux Noel … Aber die kleine Glocke läutet noch immer nicht.

„Ich geb`s auf“, murrt Felidia am Abend, als sie in ihre Nische unter dem Rathausdach schlüpft. „Was gibst du auf?“, piepst es aus dem Dachboden. Dort wohnt eine Mäusefamilie. „Gute Worte finden.“ „Ich weiß die allerbesten Worte!“, ruft Moritz Maus.“ „Kommt alle her!“ Bald sind alle Plätze auf dem Dachboden besetzt. Moritz steht auf einem Bücherstapel. „Emmentaler!“, ruft er. „Gouda, Camembert!“ Die Mäuse jubeln. Moritz wirft die Pfoten in die Luft. „Stinkekäse!“ „Bravo!“, rufen die Mäuse. Dann wandern sie auf den Kirchturm und bringen der kleinen Glocke die besten Worte, die sie kennen. Die kleine Glocke hört genau zu. Aber sie läutet noch immer nicht. „Jetzt gebe ich wirklich auf“, beschließt Felidia.

Am nächsten Tag sitzt sie ratlos auf dem Brunnen. Zwei Menschen kommen vom Weihnachtsmarkt. „Ich hab dich lieb“, hört Felidia und sieht die Augen der Menschen strahlen. „Die Worte muss ich mir merken.“ Eilig trippelt Felidia über den Marktplatz. „Ich hab dich lieb, ich hab dich lieb, ich hab-hoppla!“ Das war Ringelbert. Er ist auch über den Marktplatz gelaufen, nur in die andere Richtung. „Oh“, gurrt er glücklich und rappelt sich auf. „Ich dich auch!“ Felidia und Ringelbert fliegen zur kleinen Glocke und bringen ihr ihre neuen Lieblingsworte. Die kleine Glocke hört genau zu. Aber sie läutet noch immer nicht.

Dann kommt der Weihnachtsabend. Die großen Glocken schwingen sich schon mal ein. Felidia und Ringelbert sitzen auf dem Turmgeländer. Die Krähe Carol fliegt vom Fluss herbei und flattert um die kleine Glocke herum: „Wie sie wohl klingt?“ „Gar nicht“, grummelt Ringelbert. „Die guten Worte haben überhaupt nicht geholfen“, seufzt Felidia. „Krah“, wider spricht Carol, „gute Worte helfen immer!“ In den Häusern gehen die Lichter an. Am Himmel glänzen die Sterne. „Was ist das denn?“, fragt Ringelbert plötzlich. Über den dunklen Marktplatz wandert ein klitzekleines Licht. „Das ist ein Licht aus Bethlehem“, erklärt Carol. „Jedes Jahr reist es um die Welt. Es erzählt vom Frieden für alle.“ „Frieden“, gurren Felidia und Ringelbert, und die kleine Glocke hört ganz genau zu.

Die Tauben versammeln sich auf dem Geländer. Carols Freundinnen fliegen von den Pappeln herbei. Die Mäuse sind auch da und drängeln sich um die besten Plätze. „Domm-domm-badomm-domm!“, beginnt die große Goldglocke. „Bim-bambam, bim-bambam, bim-bambam!“, stimmt die Silberglocke ein. „Dingedonnng, dingedonnng!“, hallt die Bronzeglocke.

Und die kleine Glocke? Sie schwingt und schwingt und schwingt uuuuuuund … „Friede auf Erden-don-dua-ding-danng!“ „Überall, überall!“, stimmen die großen Glocken ein. Die Tauben wiegen sich auf dem Geländer. Die Mäuse beginnen zu tanzen. Die Krähen lauschen und freuen sich mit. Friede auf Erden! Überall und auch bei dir.

Vielleicht kannst du es hören.

Gottesdienstzeiten

Heilige Messen in der Pfarrei Böhmfeld

Samstag 18.00 Uhr; Sonntag 9.30 Uhr
in den Ferien Sonntag 9 Uhr, 10.15 Uhr im Wechsel mit Hitzhofen und Hofstetten

Pfarrbüro

Öffnungszeiten:
Dienstag 9 bis 10 Uhr
Mittwoch 9 bis 12 Uhr, 17 bis 18 Uhr