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Lieselotte überlebt Weihnachten

 von Barbara Pronnet

  

Auf einem kleinen Bauernhof, der schon bessere Zeiten gesehen hatte, lebte noch der alte Hund Bello, die Kuh Frieda,  Kater Max und die Ente Lieselotte.

Als Lieselotte geboren wurde, bedauerte sie bald kein Schwan geworden zu sein. Sie putze sich pausenlos ihre  Federn, fraß nur die Hälfte des grässlichen Futters und achtete streng auf ihre Linie, indem sie jeden Tag einen strammen Marsch um den Hof watschelte. Sie war eitel und vornehm. Eine arrogante Ente, ein Möchte-Gern- Schwan eben.

Das missfiel natürlich auch der Bäuerin.
„So a dürres Vieh mog koana zu Weihnachten“ schimpfe sie bereits letztes Jahr im Stall bei der Fütterung, als sich die anderen Enten auf die alten Kartoffelschalen stürzten. Lieselotte saß hochschnäbelig auf einer alten Holzkiste und schaute verachtend ihren Artgenossen beim Schlemmen zu.

Das wird euer Todesurteil, ihr dummen Enten. Lieselotte erinnerte sich noch gut. Die Enten bekamen in der Zeit besonders viel zu fressen und als es immer kälter wurde und zu schneien begann, waren sie plötzlich weg. Der rotgesichtige Bauer, er lebte damals noch, packte sie an den Hälsen und steckte sie in eine Transportkiste und fuhr mit ihnen weg. Eine dicke besonders dumme Ente,  Lieselotte konnte sie nicht ausstehen, wurde in die Küche gebracht und als der Christbaum geschmückt in der Ecke stand, lag diese bereits knusprig braun gebraten in dem Bräter auf dem Herd.
Mit mir nicht, beschloss  Lieselotte  darauf und zog ihr strenges Fitnessprogramm gnadenlos durch.

Jetzt stand wieder Weihnachten vor der Tür. Es wurde kalt und es roch nach Schnee. Die alte Bäuerin lebte alleine auf dem Hof und kümmerte sich mehr schlecht als recht um das Gehöft und die Tiere. Sie hustete zum Steinerweichen. Der Kater hatte sich längst auf dem Nachbarhof niedergelassen und kam nur noch sporadisch vorbei.

Lieselotte spürte die Gefahr. Weihnachten war ein Fest des Grauens für Gänse und Enten. Die Bauersfrau hatte ihr gestern das Fressen gebracht und sie genau beäugt.
„Diesmal bist fällig, für mich reichts, du depperte Ente“  und verließ hinkend den Stall.

Die Kuh fraß wortlos ihr Heu und schaute Lieselotte mit traurigem Blick an. Es war auch wirklich kein Vergnügen mehr. Ihre Artgenossen fehlten ihr, auch wenn Lieselotte das ungern zugab.  Sie fror unter ihrem Federkleid. Eine schlanke Figur war im Winter ein Fluch. Eine schlimme Zeit kam auf sie zu und sie fühlte ihr nahes Ende.


Am nächsten Morgen hörten die Tiere das Husten der Bäuerin bis in den Stall. Sie wurde immer kränker.

Nach einer Ewigkeit kam ein Auto mit Blinklampe und machte einen Höllenlärm. Lieselotte watschelte zu der offenen Stalltür und sah wie eine Frau und zwei Männer der Bäuerin in den Wagen halfen. Dann verließ das Auto den Hof in Windeseile.

„Sie ist weg“ sagte Lieselotte zu den anderen. „Naja die kommt sicher gleich wieder, so zäh wie die ist.“

Sie warteten den  Nachmittag und die ganze Nacht. Am nächsten Morgen verspürte sogar Lieselotte leichten Hunger.

„Ich schau mal nach“. Lieselotte verließ den Stall und sah, dass die Tür zum Haus angelehnt war. Neugierig spähte Lieselotte hinein in die gute Stube. Auf dem großen Holzofen thronte der Bräter.
Der Sarg steht also schon da. Eigentlich kann ich schon mal Probesitzen, dachte sie grimmig und setzte sich rein.

Lieselotte fühlte sich sehr schlecht und müde. Das alles war auch wirklich der Horror. Sie schloss ihre Augen und begann einzudösen.  Sie träumte von einem herrlichen blauen See und sah sich mit wunderschönen Schwänen darin schwimmen. Es war wie im Märchen.

Lieselotte hörte nicht den Wagen der in den Hof fuhr. Eine Frau, ein Mann und zwei kleine Mädchen stiegen aus und gingen zu dem Haus. Sie betraten die Stube und in diesem Moment wachte Lieselote auf.

Sie erstarrte, konnte sich vor lauter Schreck nicht rühren. Der Familie ging es wohl genauso, denn sie schauten auf die Ente im Bräter und konnten es nicht fassen.
Doch dann lachten sie alle schallend und konnten nicht mehr aufhören.
„Sie dir das an“ sagte die Frau mit Tränen in den Augen zu ihrem Mann “der Weihnachtsbraten begrüßt uns schon“.

Die vier kamen vorsichtig auf Lieselotte zu und der Mann sagte freundlich. „Keine Angst, kleines Entchen. Wir machen uns nix aus Fleisch, bei uns gibt’s Fisch zum Fest. Und so schlank und pfiffig wie du bist, behalten wir dich als Unterstützung für Bello.“
„Die Oma ist im Krankenhaus und muss dann ins Heim und wir wohnen jetzt hier und kümmern uns um den Hof“ sagte eines der Mädchen und streichelte vorsichtig Lieselottes zitterndes Federkleid.

Lieselotte erlöste sich langsam aus ihrer Starre, stieg schnell aus dem Bräter und flatterte in Richtung Ausgang. Ihr hatte es die Sprache verschlagen.  Schnell huschte sie zurück  in den Stall und viel dort vor den anderen in eine gnädige Ohnmacht.
„Siehst du, nix Fressen ist schlecht für die Nerven“ knurrte Bello zu Frieda und schlief wieder ein.

Am Heiligen Abend, der Stall war gereinigt, die Tiere gefüttert, hörten diese plötzlich ein Singen.
„Oh du fröhliche ,oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“.

 Lieselotte wurde neugierig. Sie ging zu dem Haus und sah durch das kleine Fenster. Die Familie saß am Tisch und verzehrte ihre Forellen mit Kartoffelsalat. Sie lachten und ließen sich das gute Essen schmecken. Ein herrlich geschmückter Christbaum funkelte in der Ecke.

Eine nette Familie ist das, vor allem sind alle so schlank, dachte Lieselotte zufrieden.
Weihnachten ist eigentlich schön, besonders wenn man es erleben darf, freute sie sich.
Sie hatte heute eine Ausnahme gemacht und das hochwertige Futter, welches ihr gereicht wurde, komplett aufgefressen. Ein kleiner Rundgang um den Hof ist sicher gut für die Verdauung und sie konnte gleich noch nach dem Rechten sehen. Lieselotte schüttelte zufrieden ihr Federkleid, streckte ihren langen Hals und watschelte stolz durch die sternenklare stille Winternacht in eine glückliche Zukunft.

Gottesdienstzeiten

Heilige Messen in der Pfarrei Böhmfeld

Samstag 18.00 Uhr; Sonntag 9.30 Uhr
in den Ferien Sonntag 9 Uhr, 10.15 Uhr im Wechsel mit Hitzhofen und Hofstetten

Pfarrbüro

Öffnungszeiten:
Dienstag 9 bis 10 Uhr
Mittwoch 9 bis 12 Uhr, 17 bis 18 Uhr