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Die Geschichte vom Weihnachtsbraten

 

 

Einmal fand ein armer Mann eine Ente auf der Straße. In der Nähe hatte niemand Enten – es war eine richtige schöne Hausente.

Der Mann steckte sie unter seine Jacke und brachte sie seiner Frau. „Hier ist unser Weihnachtsbraten.“ Die Frau freute sich sehr.

Beide hatten noch niemals ein Tier gehabt, darum hatten sie auch keinen Stall. Der Mann baute aus Pfosten, Brettern und Dachpappe einen Verschlag an der Hauswand. Die Frau legte Säcke hinein und darüber einen alten Pullover. In die Ecke stellte sie einen Topf mit Wasser.

„Weißt du, was Enten fressen?“, fragte sie. „Keine Ahnung“, sagte der Mann.

Sie probierten es mit Kartoffeln und Brot, aber die Ente rührte nichts an. Sie mochte auch keinen Reis und nicht den Rest vom Sonntagsnapfkuchen.

„Sie hat Heimweh nach anderen Enten“, sagte die Frau. Die Ente wehrte sich nicht, als sie in die warme Küche getragen wurde.

Der Mann setzte sich auf seinen Stuhl und suchte im Radion nach Blasmusik. Die Frau saß neben ihm am Tisch und klapperte mit den Stricknadeln – es war sehr gemütlich.

Plötzlich fraß die Ente Haferflocken und ein wenig vom Napfkuchen. „Er lebt sich ein, der Weihnachtsbraten“, stellte der Mann zufrieden fest.

Bereits am anderen Morgen watschelte die Ente überall herum. Sie steckte den Hals durch offene Türen, knabberte an der Gardine und machte einen Klecks auf den Fußabstreifer.

Die Ente folgte der Frau auf Schritt und Tritt. Zum Bäcker, in den Milchladen und sogar auf die Toilette folgte die Ente der Frau.

Als der Mann am Nachmittag auf seinem Rad von der Arbeit nach Hause kam, standen die Frau und die Ente an der Gartenpforte.

„Jetzt mag sie auch Kartoffeln“, erzählte die Frau. „Brav“, freute sich der Mann und streichelte der Ente über den Kopf, „dann wird sie bis Weihnachten rund und fett“.

Der Verschlag wurde nie genutzt, denn die Ente blieb jede Nacht in der warmen Küche. Sie fraß und fraß. Manchmal setzte die Frau sie auf die Waage und jedes Mal war sie schwerer.

Als der Mann und die Frau am Abend mit der Ente zusammen saßen, malten sich beide die herrlichsten Weihnachtsessen aus. „Entenbraten und Rotkohl, das passt gut“, meinte die Frau und kraulte die Ente auf ihrem Schoß. Der Mann hätte zwar statt Rotkohl lieber Sauerkraut gehabt, aber die Hauptsache waren für ihn die Knödl.

„Sie müssen groß sein, wie mein Kopf und alle genau gleich“, sagte er. 

Wenn sie ins Bett gingen lag die Ente am Fußende und wärmte sie.

 

 

Dann war Weihnachten da.

 Die Frau schmückte den kleinen Baum. Der Mann radelte zum Kaufmann und holte alles, was sie für den großen Festschmaus brauchten. Außerdem brachte er ein Kilo extrafeine Haferflocken.

„Wenn es auch ihre letzten sind,“ seufzte er, „soll sie doch wissen, dass Weihnachten ist.

„Was ich sagen wollte“, meinte die Frau, „Wie denkst du sollten wir…ich meine…wir müssten doch nun…“ Aber weiter kam sie nicht. Der Mann sagte eine Weile nichts. Und dann: „Ich kann es nicht“. „Ich auch nicht“, sagte die Frau. „Ja, wenn es eine X-beliebige wäre. Aber nicht diese hier. Nein, ich kann es auf gar keinen Fall.“

Der Mann packte die Ente und setzte sie in seinen Fahrradkorb. Dann fuhr er mit dem Radl zum anderen Bauernhof rüber. Dieser war ein Stück weg, aber nicht so weit, dass es eine Tagesreise hätte werden müssen.

Trotzdem kam der Mann erst am Abend wieder. Die Ente saß friedlich hinter ihm.

„Ich habe den Bauern nicht angetroffen, da sind wir etwas herum geradelt“, sagte er verlegen. „Macht gar nichts“, sagte die Frau erleichtert. „Als du fort warst, habe ich mir überlegt, dass es den feinen Geschmack des Rotkohls und der Knödl nur stört, wenn man noch etwas anderes dazu auftischt.“

Die Frau hatte Recht und sie hatten ein gutes Essen. Die Ente verspeiste zu ihren Füßen die extrafeinen Haferflocken. Später saßen alle drei nebeneinander auf dem Sofa in der guten Stube und sahen in das Kerzenlicht.

Übrigens kochte die Frau im nächsten Jahr zu den Knödl zur Abwechslung Sauerkraut. Im Jahr darauf gab es zum Sauerkraut Bandnudeln. Das sind so gute Sachen, dass man nichts anderes dazu essen sollte.

Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Enten werden sehr alt.

 

 

Gottesdienstzeiten

Heilige Messen in der Pfarrei Böhmfeld

Samstag 18.00 Uhr; Sonntag 9.30 Uhr
in den Ferien Sonntag 9 Uhr, 10.15 Uhr im Wechsel mit Hitzhofen und Hofstetten

Pfarrbüro

Öffnungszeiten:
Dienstag 9 bis 10 Uhr
Mittwoch 9 bis 12 Uhr, 17 bis 18 Uhr